Selbsthilfegruppe Bipolar Berlin

Bipolare Störungen - manische Depressionen

die Manie

Symptome einer Manie

- stark gehobene (euphorische) oder gereizte /aggressive (dysphorische) Stimmung
- Expansives Verhalten, extrem gesteigerter Antrieb
- gesteigertes Selbstwertgefühl (bis zu Omnipotenz- und Grandiositätsgefühl)
- Größenwahn, Selbstüberschätzung
- verstärkter Rededrang (redet ununterbrochen)
- Ideenflucht
- Distanzlosigkeit, leichtsinniges Verhalten, Enthemmtheit
- starke Ablenkbarkeit, Konzentrationsstörungen
- Wahrnehmungsveränderungen
- Verminderung der Schlafdauer bis zur totalen Schlaflosigkeit, Hyperaktivität
- Libidosteigerung, gesteigertes sexuelles Verlangen
- Realitätsverlust, Wahnvorstellungen
- starke Gewichtsabnahme
- Kaufrausch, leichtsinnige Geschäfte, (hohe) Verschuldung
- Vieles fast zeitgleich anfangen, einiges oder später auch nichts zu Ende bringen

es müssen nicht alle Symptome gleichzeitig vorliegen. Es können noch andere Syymptome, als die hier genannten, auftreten.
Nicht immer muss eine manische Phase derart ausgeprägt vorliegen. Hypomane Episoden gestalten sich milder und bezeichnen sich als abgeschwächte Manien.
Die Hypomanie wird oft als sehr angenehm und extrem produktiv erlebt. Oft sehen auch Arzt und Familie in dem Zustand keine Krankheit.

Nahestehende Menschen sagen oft, dass sie den Betroffenen nicht wiedererkennen und dass er "ganz anders ist als sonst" und "dieses Verhalten passt nicht zu ihr /ihm"
Aussagen wie "ich erkenne sie /ihn gar nicht wieder", "das ist nicht mein/e Mann /Tochter /Mutter usw."

Befindet sich ein Betroffener in der Manie, ist er so voller Tatendrang und Energie, dass er meint, keinen oder nur sehr reduzierten Schlaf zu brauchen, weil er seine ganzen Ideen verfolgen muss. Er fühlt sich frisch und leistungsstark wie selten zuvor und erinnert sich auch nicht gern an die Folgen vorangegangener Manien weil diesmal "alles ganz anders ist als früher". Es kann sein, dass er um seine Erkrankung weiß aber meint, diesmal alles im Griff zu haben.

Da die Angehörigen denjenigen nicht bewegen können, sich in Behandlung oder gar in eine Klinik zu begeben, können sie nur tatenlos zusehen. Konfrontiert man Betroffene in der Manie mit ihrer Erkrankung kommt es häufig zu Streitereien. Eine Zwangseinweisung kommt nur in Betracht, wenn Eigen- oder Fremdgefährdung vorliegt. Angehörige sollten sich bei ihrem für sie zuständigen sozialpsychiatrischen Dienst informieren.





 

die Depression

Symptome der Depression

- Schlafstörungen (zu viel, zu wenig und /oder unterbrochener Schlaf)
- Freudlosigkeit
- Antriebsschwäche
- Konzentrationsstörungen
- vermindertes Selbstwertgefühl
- Schuldgefühle bis hin zum Schuldwahn
- Gefühl der inneren Leere
- tiefe Verzweiflung (z.B. über die Schäden, die während einer Manie angerichtet wurden)
- Verarmungsängste /-wahn
- Schlafstörungen (zu viel oder zu wenig)
- Appetitverlust
- Libidoverlust
- abgeflachte Gefühlslage

Sowohl bei Manien als auch bei Depressionen kann es dazu kommen, dass Schlafmangel entsteht. Dieser wird jedoch sehr unterschiedlich wahrgenommen:
"Ein Maniker braucht keinen Schlaf - Ein Depressiver kann nicht schlafen"
In der Depression wird der Schlafmangel als quälend wahrgenommen. Die Betreffenden leiden stark unter dem dauerhaften Schlafdefizit. In der Manie ist das Gegenteil der Fall. Der dauerhaft zu wenige oder auch gar kein Schlaf wird nicht als einschränkend empfunden.

 

Frühwarnsymptome von Manien und Depressionen

Man kann pauschal schon sagen, dass die stark abgeschwächten Symptome einer Manie und Depression Frühwarnsymptome sein können. Es bedarf einiger Selbstbeobachtung, diese als solche wahr- und vor allem ernstzunehmen. Gerade nach einer langen Depression ist der "Hunger nach Leben" sehr groß, oftmals so groß, dass die Frühwarnsymptome einer Manie "zu sehr genossen" werden. Daraus kann sich schnell eine ausgeprägte Manie entwickeln. Diese aufzuhalten ist sehr viel schwerer, als hätte man ihr bereits Einhalt geboten während der anfänglichen Frrühwarnsymtome.

Symptome einer Manie im Frühstadium zu deckeln bedarf einer gewissen Portion Selbstdisziplin.
Es ist oftmals eine Gratwanderung das "normale Fröhlichsein" von dem beginnenden manischen zu unterscheiden. Viele bipolare Menschen haben nach etlichen Manien so viel Leid erfahren müssen, dass die Angst, wieder eine Manie zu bekommen so groß ist, dass sie sich jede Ausgelassenheit, jedes "mir gehts heut richtig gut" versagen. Das kann dazu führen, dass der- /diejenige immer etwas subdepressiv durch sein Leben geht.
Das sollte natürlich auch nicht sein. Jeder Mensch hat mal bessere und schlechtere Tage.

Umgekehrt gelingt es bipolar erkrankten Menschen, sich immer ein wenig über ihrem Normallevel zu halten aus Angst vor der Depression.

Jeder Betroffene kann mit Hilfe seiner Angehörigen, seines Arztes und Therapeuten aber auch mit Hilfe der Selbsthilfegruppe, sein individuelles Frühwarnsystem ausarbeiten sowie die Maßnahmen, die zu ergreifen sind, um dieser nicht ihren freien Lauf zu lassen.

Faustregel:
depressive und /oder manische Symptome sollten über ca. ein bis zwei Wochen am Stück vorliegen, damit davon ausgegangen werden kann, dass die Gefahr einer Manie oder Depression droht.
Bipolare Menschen sind sehr unterschiedlich anfällig für ihre Phasen. Einige müssen schneller ihren "Notfallkoffer" aktivieren, andere drohen nicht so schnell in eine Phase zu rutschen.


Frühwarnsymptome der Manie

-
ich fühle mich selbstbewusster, attraktiver als sonst
- ich rede mehr als sonst, habe mehr Humor als sonst
- ich habe für alles und jeden eine Lösung parat
- wo ich sonst 7 oder 8 Stunden Schlaf brauche, benötige ich nur noch 5 oder 6 Stunden, ohne dass ich die folgenden Tage ermüde
- ich höre fast nur noch sehr laut Musik
- ich gönne mir weniger Ruhepausen als sonst
- ich fühle mich angespannter und schneller reizbar als sonst
- ich habe mehr Projekte im Kopf, die ich am liebsten alle gleichzeitig umsetzen würde
- ich werde schneller ungeduldig, die anderen sind mir zu langsam
- ich fahre riskanter mit dem Auto
- mir sitzt das "Portemonnaie lockerer" als sonst, ich gebe mehr Geld aus
- ich muss ständig etwas tun /unternehmen
- ich habe Freude und Spaß an Dingen, die mich früher nicht interessiert haben und vernachlässige dafür andere Dinge
- u.v.a.m. die Liste kann sehr individuell sein. Es trifft nie alles auf jeden zu.

Beispiel:
Für den einen ist es bereits ein Frühwarnzeichen, wenn die Tachonadel beim Autofahren der Stadt 60 km/h anzeigt. Der nächste ist noch völlig "normal", wenn sie gelegentlich bereits 70 km/h anzeigt.Beide sind sich darüber im Klaren, dass sie für den Gesetzeshüter zu schnell fahren.


Was kann ich tun, damit sich aus den Frühwarnsymptomen keine Manie entwickelt?

-
ich weihe meine Angehörigen ein, falls sie nicht bereits diejenigen gewesen sind, die mich auf die veränderten Verhaltensweisen hingewiesen haben. Wir überlegen gemeinsam, was zu tun ist und wie sie mich dabei unterstützen können.
Eines der großen Zauberwörter heißt sicherlich "Reizabschirmung"
- Ich strukturiere meinen Tagesablauf so, dass ich Ruhepausen einlege
- ich mache öfter Entspannungsübungen
- ich halte geregelte Nachtruhezeiten ein
- ich arbeite /spiele etc. nur bis zu einer bestimmten Uhrzeit am PC
- ich sehe nicht zu spät fern
- dasselbe gilt für Telefonate
- ich versuche, nur eine Sache auf einmal zu erledigen und mich von Projekten zu verabschieden, die nicht dringlich sind oder sie aufzuschieben
- ich baue beruhigende Dinge in mein Leben ein, z.B. Spaziergänge in der Natur
- ich gehe zum Arzt und bespreche meine Eigenwahrnehmung und /oder die meiner Angehörigen mit ihm. Evtl. kann eine medikamentöse Unterstützung oder Anpassung der vorhandenen Medikation hilfreich sein




Frühwarnsymptome der Depression

- ich schlafe weniger oder viel mehr als sonst
- ich will morgens immer schwerer aus dem Bett raus
- ich habe Morgentiefs und komme nicht gut in den Tag hinein
- ich kann mich immer schwerer konzentrieren
- alles fällt mir schwerer
- ich bin empfindlicher als sonst, kann mit Kritik immer weniger umgehen
- ich vernachlässige meine Körperhygiene
- ich werde immer gleichgülitger
- ich bin immer näher "am Wasser gebaut"
- ich ziehe mich immer mehr zurück
- ich habe an immer weniger Dingen Freude
- ich mag immer weniger Kontakte, selbst zu guten Freunden
- alles wird mir zu viel
- ich fange an, meine Hobbies zu vernachlässigen
- u.v.a.m. auch hier gilt, dass die Liste individuell stark variieren kann

Beispiel: Eine Frau, die sich immer "zurecht gemacht" hat, bevor sie das Haus verließ, tut dies nicht mehr. Es ist ihr zu viel. Eine andere Frau hat das eh nie oder seltener getan. Bei der einen ist es ein Frühwarnsymptom, bei der nächsten normaler Alltag.